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1997 Prafull Vijayakar Bild Matthias Strelow

Eine angemessene Würdigung seines Lebenswerks und ein Auftrag für die Zukunft der Predictive Homeopathy

Im Andenken an den Begründer der „Predictive Homeopathy“ Dr. Vijayakar fand ein Tagesseminar am 08.05.2021 statt. Es spiegelte sowohl die Inhalte seines Werkes als auch den Menschen Prafull Vijayakar wider. Ursprünglich sollte an diesem Datum eine zweite Konferenz zur „Predictive Homeopathy“ in Luzern in der Schweiz stattfinden. Diese mussten wir leider Pandemie-bedingt absagen. 

Stellvertretend würdigten die Initiatoren der Europäischen Prediktiven Homöopathie in dieser Hommage Arbeit und Lebenswerk Dr. Prafull Vijayakars. Es hat sich gelohnt: Viele Teilnehmer:innen waren tief berührt und brachten ihre Dankbarkeit zum Ausdruck gegenüber diesem Großen der Homöopathie aus. Einige konnten sich ihrer Tränen nicht erwehren.

 Der Mensch Prafull Vijayakar

Nach einer Begrüßung durch den Schweizer Homöopathen Simon Wegmüller vermittelte uns Günter Lutz, Homöopath und persönlicher Freund Dr. Vijayakars, mit privaten Bildern und Geschichten aus 30 Jahren ein Bild von dessen Persönlichkeit.

Bombay 2015 Prafull Vijayakar Bild Matthias Strelow

Tatsächlich war der Indische Homöopath auch privat ein großzügiger Mensch, gesellig, geduldig mit seinen Enkeln und immer zu Scherzen aufgelegt. Eine Wette, dass 2014 Deutschland Fußballweltmeister wird – er gewann mit seiner Behauptung 3 Jahre vor der WM – führte ihn zu seiner letzten Reise durch Deutschland. Wie immer begleitete ihn seine Frau Priti, die er dafür achtete, dass sie sein immenses Engagement für die Homöopathie mittrug.    

Die Idee(n) der Predictive Homeopathy

2014 Prafull Vijayakar Matthias Strelow

Danach wurde es ein video-gestützter Ritt durch die Facetten von Dr. Prafull Vijayakars umfangreichen Werkes: Anhand von fünf bis zehn-minütigen Sequenzen aus Seminaren mit ihm, wurden die wesentlichen Themenfelder seiner Lehre dargestellt – ein Format, dass es so bisher noch nicht gab!

 Die Generalprobe zuvor zeitigte noch einige technische Probleme, die dann zum Glück ausgemerzt werden konnten. So war es für die über 100 Teilnehmer ein abwechslungsreiches Programm. Die Dozenten referierten über die jeweiligen Grundideen und illustrierten sie mit beeindruckenden Fällen aus der eigenen Praxis.

 Die Miasmatik in Dr. Prafull Vijayakars Homöopathie-Verständnis

 Matthias Klünder begann mit einem Überblick und dem dynamischen Miasmenmodell worauf Oliver Müller eine Einführung in den syphilitischen Einstiegspunkt gab (was für ein Fall von Mukoviszidose!). Die 7 Ebenen der Unterdrückung stellte uns Andrea Dell vor. Bea Szabo gab einen Einblick in die tri-miasmatische Materia Medica und skizzierte klar die miasmatischen Gesichtspunkte der Methode.

 Die Konstitution

Mshwar 2019 Prafull Vijayakar Bild Matthias Strelow

Der zweite Schwerpunkt waren die Konstitution, ihre differenzierte Bestimmung nach Dr. Vijayakar und die daraus folgende Verschreibung des „Genetischen Similimums“. Diese erläuterte Matthias Strelow. Die psychischen Entsprechungen von Erkrankungen („Mind of Pathology“) beschrieb Simon Wegmüller. Dies ist die letzte Entwicklung von Prafull Vijayakar, die erheblich den Blick auf den erkrankten Menschen erweitert.

 
Marc Bürgler hat den Teilnehmer:innen dann noch das etwas vernachlässigte Thema der Akuterkrankungen im Verhältnis zur Konstitution überzeugend nahe gebracht. Selbst „alte Hasen“ merkten spätestens hier, dass sie vielleicht in Zukunft diesem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.

 Der Abschluss der Hommage

Den Abschluss bildete zunächst Ursula Frei, die aus 30 Jahren Visitation in der Praxis bei Dr. Vijayakar berichtete und sein besonderes Engagement für Kinder mit Einschränkungen und seine Krebsbehandlungen berichtete. Mit ihrem Vortrag fühlten wir uns dem Menschen und Arzt wieder ganz nah und konnten erfahren, dass es nicht unmöglich ist, Dinge in der Praxis zu vollbringen, die wir sonst voller Demut nur einem begnadeten wie „Sir“ Prafull Vijayakar zutrauen würden.

Die Überraschung zum Ende des Homöopathie-Tages

2014 Prafull Vijayakar Bild Matthias Strelow

Nach einigen technischen Herausforderungen gelang es uns dann doch: Dr. Ambrish Vijayakar, Sohn von Prafull und Homöopath, sprach aus Indien in einer tief bewegenden Rede über seinen Vater. Er übernimmt sein Vermächtnis und somit die Zukunft der Predictive Homeopathy.

 Er erzählte, dass sie in Indien wieder mit den Camps „Hope fort he Hopeless“ begonnen haben und das Werk weiterführen werden. „Show must go on!“ – in Anlehnung an den berühmten Song von „Queen“ – heißt für ihn, dass er die Verantwortung übernehmen muss und wird. Das freut uns – und wir werden schon jetzt dabei helfen!

 Die Camps „Hope for the Hopeless“

Bombay 2019 Prafull Vijayakar Bild Matthias Strelow

Zum Schluss zeigten wir dann einen Film, der in den Tagen nach Dr. Prafull Vijayakars Tod (17.12.2020) herausgebracht wurde. Er zeigt Szenen aus vielen Camps mit Dr. Vijayakar und vielen Patienten wunderschön untermalt mit dem Stück "Get You To The Moon"  (Kina feat. Snøw).

Der Film belegte noch einmal die ganze Größe dieses Mannes, seines Werkes und des Herzens, das er an die Benachteiligten der Welt verschenkte.

Die ersten Camps gründete Dr. Prafull Vijayakar 2007 und sie finden alle 3 Monate statt. Für einen oder mehrere Tage behandeln Homöopathen kostenlos die (scheinbar hoffnungslos) erkrankten Menschen. Im Jahr 2020 behandelten 600 Predictive Doktoren an 33 Orten diese Patienten in ganz Indien in mehr als 150 Camps. Dr. Prafull Vijayakars Vision war es, auch in den entlegensten und ärmsten Regionen Indiens – insbesondere Kinder – mit schwersten Pathologien zu behandeln.

Beseelt beendeten wir diesen langen Tag und uns scheint, dass auch viele Teilnehmer:innen viel von der Inspiration Dr. Prafull Vijayakars und seiner Predictive Homeopathy mit genommen haben!

Bleibt noch zu sagen, dass die Dozenten mit ihrer Spende die Ausrichtung von mindestens einem Camp finanzieren konnten! Daran haben alle Teilnehmer:innen einen großen Anteil: Danke!

 

Matthias Strelow

MSc Homöopathie, Mitbegründer der Schule der Homöopathie Hamburg

 

Einige Stimmen von Teilnehmer:innen:

Vielen Dank an alle Referenten, auch an Ambrish, dass er sich für uns die Zeit genommen hat. Es ist tröstlich ihn zu sehen.

(Doris G.)

Danke an alle Beteiligten für diese Hommage an Prafull Vijayakar. Danke, dass Ihr all euer Wissen in die Welt tragt.

(Katharina K.)

Herzlichen Dank für den tollen, lehrreichen und spannenden Tag. Es war wunderbar wie herzlich ihr alle über das freundschaftliche Verhältnis zu Prafull Vijayakar erzählt habt.

(Bettina)

Danke an alle Redner, ein wahrer Tribut an unseren großen Lehrer Prafull Vijaykar. Und danke Ambrish für die wunderbaren Worte

(Rita G.)

Danke Ursula, dass du Predictive in die Schweiz gebracht hast, dass du uns so viel gelehrt hast, in so vielen Stunden und dass du auch mir so viel Vertrauen geschenkt hast. Du bist ein Schatz!

(Andreas P.)

Es war sehr toll für mich, viele Neuigkeiten, danke, danke an alle, die sich so viel Mühe gegeben haben.

(Martina H.)

Danke auch Dir Günter, für Deine wertvolle Sammlung der Materia Medica Daten. Sehr wertvoll, was du da über Jahre so fleißig zusammengetragen hast.

(Andrea P.)

Herzlichen Dank an alle Dozenten/innen und an Ines und überhaupt - PH ist grandios, Grüße aus Berlin Martin

(Martin K.)

Wenn die Traenen nicht kommen, dann weiss ich nicht, wann sie kommen! Danke an alle.

(Jonh J.)

  

Bitte beachten Sie: Alle hier verwendeten Bilder stammen von Matthias Strelow und dürfen nicht weiterverwendet werden.

 

Am Donnerstag, den 17.12.2020, ist der herausragende Homöopath, Arzt, Forscher und Autor Dr. Prafull Vijayakar verstorben. Wir trauern mit seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen.
 
Es ist noch gar nicht zu ermessen, wie groß dieser Verlust für uns Homöopathen und die Homöopathie insgesamt sein wird. Sicher ist, dass mit ihm einer der ganz großen, genialen Homöopathen der Gegenwart im Alter von 68 Jahren von uns geht. Er hinterlässt eine große Lücke, die nur schwer zu schließen sein wird.
 
Wir lernten Dr. Vijayakar als unbändig weiterforschenden Geist kennen, der mit seiner „Predictive Homeopathy“ ein bisher nicht dagewesenes Gebäude errichtete. Damit löste er nicht nur lange bestehende Probleme der homöopathischen Theorie. Er entwickelte für uns ein viel weiter gefasstes ganzheitliches Verständnis des Menschen in Krankheit und seiner konstitutionellen Basis.
 
Als Mensch erlebten wir ihn auf der Bühne dynamisch und mit einer unglaublichen Strahlkraft agierend. Im Patientenkontakt war er jedoch ein feinfühliger, respektvoller und ehrlicher Arzt. Privat wie beruflich genossen wir seine herzliche und einladende Art - zuletzt im Februar 2020 in seinem Landhaus unweit von Mumbai (ehem. Bombay), Maharashtra.
 
Wir werden ihn sehr vermissen. Deshalb wollen wir ihn und sein großes Erbe als den Schatz bewahren und weiterentwickeln, der er ist: Unschätzbar wertvoll!
 
In Trauer und Demut
 
Matthias Klünder, Matthias Strelow und das gesamte SdH-Team

Vom 17.-19.05.2019 fand in Hamburg bei schönstem Frühlingswetter der gutbesuchte Kongress zu Predictive Homeopathy in Theorie und Praxis in Europa statt.

Matthias Strelow und Beatrice Szabo eröffneten am Freitag mit einladenden Worten die Veranstaltung in der Brecht Schule im Zentrum von Hamburg. Anschließend sprach Matthias Strelow im ersten Vortrag über die Schwierigkeiten der kulturellen Dimensionen in Bezug auf den Transfer der Predictive Homeopathy von Indien nach Europa, dabei nahm er zusätzlich Bezug zu seinen anthropogenen Erfahrungen in Afrika.

PH Kongress

Weitere Vorträge gab es unter anderem von Simon Wegmüller mit spannenden Einblicken zur Anwendung von „Mind of Pathology“ in der Anamnese, und von Richard Kersten eine Darstellung darüber, wie sich Traumata auf den gesamten Menschen mit all seinen Facetten auswirken können.

Besonderen Applaus bekam Oliver Müller am zweiten Seminartag, der an Hand eines komplizierten Fallverlaufs die wichtige Bedeutung des syphilitischen Einstiegspunktes sowohl in der Pathologie, als auch im Gemüt betonte. Er bekräftigte die Teilnehmer in ihrer homöopathischen Tätigkeit mit den Worten: „Schön wäre es, wenn man das Similimum einmal verschreibt und alles ist gut, aber es braucht oft seine Zeit, bis ein Fall gelöst ist.“


PF1Anschließend vermittelte Matthias Klünder uns Seminarteilnehmern ein erstklassiges Verständnis von Hysterie besonders im Hinblick auf das Arzneimittelbild Ignatia. Matthias verdeutlichte die Hysterie mit einem spannenden Fall, in dem Hysterie nach Schreck auftrat.

Sehr erheiternd wurde es, als Matthias Strelow eine Anekdote des Arzneimittelbildes Lyssinum zum Besten gab und dabei den Bogen spannte vom Arzneimittel bis hin zum Stadtteil St. Pauli in Hamburg. Wie schwierig kann es mitunter in der Anamnese sein, syphilitische Symptome zu erfragen, wenn man das homöopathische Arzneimittel Lyssinum im Kopf hat?!

Der Schweizer Homöopath Marc Bürgler präsentierte einen außergewöhnlichen Fallverlauf einer an Alzheimer erkrankten Patientin, bezugnehmend zum Begriff des genetisch konstitutionellen Similimums. Dazu charakterisierte er das hilfsbereite „Mutter Theresa Mittel“ Manganum, welches mit Bestimmtheit durch die metallischen Qualitäten auffällt, sowie bestrebt ist Gutes zu tun.

Dr. med. Ursula Frei aus der Schweiz, langjährige Weggefährtin von Dr. Prafull Vijayakar, referierte am Sonntag zu Lösungsansätzen in der homöopathischen Behandlung von Kindern. Im Anschluss daran standen nochmal alle vortragenden Referenten den Seminarteilnehmern Rede und Antwort zu unterschiedlichsten Fragen in Bezug zu Predictive Homeopathy und dem täglichen Einsatz dieser effektiven Methode in der homöopathischen Praxis.

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Ganz besonders berührt, sowie mein Wissen bereichert, hat mich ein vorgetragener Fall am Samstagabend, als die Zeit schon überschritten war, zum Arzneimittelbild von Naja.

 

 

Kurz und gut: Ich fand das Seminar großartig und würde mich über eine Neuauflage sehr freuen.

Tanja Jeken, Homöopathin in Hamburg