Ein Nachruf auf Anne Schnitzius

 

Anne Schnitzius - ein wahrhaftige, mutige und humorvolle Frau

Am 28.09.2021 ist unsere geschätzte Kollegin  Anne Schnitzius gestorben. Ende der Neunziger hat Anne das Dozententeam der SdH ergänzt und später die Schulleitung übernommen. Das war die Zeit, als die Schule der Homöopathie erstmals in eigene Räumlichkeiten, damals im Friesenweg, gezogen ist. Anne war eine von den KollegInnen und StudentInnen sehr geschätzte Kollegin. Von Anfang an brachte sich Anne in die weitere Entwicklung der Schule ein. Ihr profundes homöopathisches Wissen, ihre Kompetenz Dinge in die Hand zu nehmen und ihr großes Charisma, führte dazu, dass Anne die Schulleitung der SdH übernommen hat und über 15 Jahre ein Aushängeschild der Schule wurde. Sie begleitete die erfolgreichste Zeit der SdH. Zu dieser Zeit hatten wir volle Klassen und es starteten jährlich neue Tages- und Wochenend-Kurse.

Wer war Anne?

Ihr Start ins Leben war nicht einfach. Am 14.7.1943 wurde sie in Koblenz in einer Bombennacht geboren. Ihr Vater kam erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Er war ein Fremder der nur einige Jahre später an Magenkrebs verstarb. Anne war immer ein zartes Mädchen, aber zäh und gezwungenermaßen früh selbstständig. Sie hat sich früh verantwortlich gefühlt für die überforderte Mutter. Anne ist eine Kämpferin. Sie setzt sich mit ihrer Vergangenheit auseinander. Sie versucht zu verstehen und sucht Hilfe in der Psychotherapie.

Anne ist anspruchsvoll, immer wahrhaftig, reflektiert und kritisch. Sie ist eine Person die aufrichtig ist und sagt was sie denkt. Als junge Frau geht sie nach Paris. Ihre Eleganz und die Liebe zum guten Rotwein werden sicherlich in dieser Zeit geprägt. Die Liebe zum Austausch mit Menschen, ihre Lebendigkeit, ihr Humor, Wein und tiefe Gespräche, zeigen die andere Seite von Anne.

Anne die es selbst schwer hatte, kümmerte sich wo sie konnte um Menschen die Hilfe und Unterstützung gebrauchen konnten. Vor allem Unterstützung für Frauen war ihr ein Anliegen. In den letzten Jahren erzählte sie mir immer von ihren Gruppengesprächen mit Flüchtlingen, um ihnen die deutsche Sprache und die deutsche Gesprächskultur näher zu bringen. Für Anne war das ein echter Austausch, da es wertvoll für sie war zu verstehen, wie andere Menschen aus fremden Kulturen ticken.

Anne liebte das Eintauchen in andere Geschichten und Welten. Aus diesem Grund war das Lesen und gute Literatur ihr wichtigstes Hobby.

Ihre eigene Krankengeschichte lies Anne nach Alternativen suchen. So kam Anne in Berührung mit der klassischen Homöopathie. Angesteckt von dieser anspruchsvollen Methode begann Sie die Homöopathie zu erlernen. Weitgehend autodidaktisch, da es zu dieser Zeit noch keine Ausbildungsinstitute gab. Ein wesentlicher Lehrer wurde Gerhard Risch. Jahre später gründete Sie zusammen mit ihm und anderen Homöopathen die Clemens von Bönninghausen Gesellschaft(CvB). Dort wurde Sie eine beliebte und geschätzte Dozentin. Anne ist immer eine Person gewesen, die für ihre Werte eingestanden ist. Aus Unbehagen über den kollegialen Umgang bei der CvB verlies sie diese nach einigen Jahren. Ein Glücksfall für die SdH, wo Sie nun ihre Kompetenz einbrachte.

Viele KollegInnen werden sich sicherlich an ihren lebendigen, humorvollen, aber auch wenn nötig ernsthaften Unterricht erinnern. Ihre Geschichten von „Frau Piepenbrink“ waren legendär. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, es war glaube ich ihre letzte Fortbildung, die Sie für die SdH gehalten hat. Es ging um die Behandlung eines Kindes mit Down-Syndrom, dass unter verschiedensten körperlichen Beschwerden und einer schweren Entwicklungsverzögerung litt. Hier konnte die Homöopathie offensichtlich sehr gut helfen.

Anne resümierte: „Auch wenn das der einzige Fall in meiner Praxis wäre, bei dem ich hätte helfen können, hätte sich die Arbeit in meiner Praxis schon gelohnt“.

Anne, ich werde die Gespräche mit Dir bei einem guten Glas Wein und Käsestulle, deinen Humor, dein Zuhören, deine manchmal schonungslose Ehrlichkeit, deinen wachen und kritischen Blick in die Welt vermissen.

Machs gut…

Matthias Klünder


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Letzte Änderung am Mittwoch, 09 Februar 2022 10:55
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